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Brasilien könnte im globalen Rennen um Seltene Erden zu einem der wichtigsten Gegengewichte zu China werden. Das Land verfügt über enorme Vorkommen, eine etablierte Bergbauindustrie – und beginnt nun, staatliches Kapital einzusetzen, um aus geologischem Potenzial eine eigene industrielle Wertschöpfungskette zu entwickeln. 

Ein aktuelles Beispiel liefert Viridis Mining and Minerals (ISIN: AU0000190829). Die brasilianische Entwicklungsbank BNDES hat für das Colossus-Projekt eine langfristige Finanzierung über 77,5 Millionen Real, rund 15 Millionen US-Dollar, genehmigt. Das Geld ist für ein Forschungszentrum und eine bereits eröffnete Demonstrationsanlage vorgesehen. 

Noch größer ist der politische Rahmen: Colossus gehört zu 56 Projekten, die für ein 5 Milliarden Real schweres Förderprogramm von BNDES und der staatlichen Innovationsagentur Finep ausgewählt wurden. 

Für Anleger ist das entscheidende Signal nicht die einzelne Finanzierung. Es ist die Richtung, in die Brasilien geht: Das Land will kritische Rohstoffe nicht einfach exportieren, sondern möglichst viel Wertschöpfung im eigenen Land aufbauen. 

Brasilien will mehr als eine neue Mine 

Das Colossus-Projekt zeigt, wie diese Strategie aussehen könnte. 

Viridis plant eine kommerzielle Anlage mit einem Investitionsvolumen von rund 449 Millionen US-Dollar. Die Produktion soll nach Unternehmensplanung in der zweiten Jahreshälfte 2028 beginnen. Im Durchschnitt werden 2.967 Tonnen magnetischer Seltenerdoxide pro Jahr angestrebt. 

Parallel arbeitet Viridis an einer Abnahmevereinbarung mit dem europäischen Chemiekonzern Solvay (ISIN: BE0003470755). Rund 75 Prozent des geplanten Mixed-Rare-Earth-Carbonate sollen nach Angaben von Viridis für zunächst fünf Jahre an Solvays Anlage im französischen La Rochelle geliefert werden. 

Damit wird sichtbar, was Brasilien erreichen will: nicht nur Lagerstätten erschließen, sondern Minen, Verarbeitung und internationale Abnehmer miteinander verbinden. 

Das ist besonders relevant, weil China weiterhin weite Teile der Verarbeitung Seltener Erden dominiert. Wer diese Abhängigkeit reduzieren will, braucht deshalb nicht nur neue Vorkommen – sondern komplette alternative Lieferketten. 

Ausgerechnet Minas Gerais rückt ins Zentrum 

Besonders interessant wird diese Entwicklung im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. 

Hier liegt Colossus. Hier befindet sich mit CBMM der dominierende Niobproduzent der Welt. Und hier entwickelt St George Mining (ISIN: AU000000SGQ8) sein Araxá-Projekt. 

Araxá verfügt inzwischen über eine JORC-Mineralressource von 111,2 Millionen Tonnen mit 3,57 Prozent TREO und 0,57 Prozent Nb₂O₅. Darin enthalten sind nach Unternehmensangaben rund 760.000 Tonnen NdPr-Oxide und 630.000 Tonnen Nb₂O₅. 75,2 Millionen Tonnen befinden sich bereits in den Kategorien Measured und Indicated.  

Die Lage ist dabei ein wesentlicher Teil der Investmentthese: Araxá befindet sich unmittelbar neben den Niobaktivitäten von CBMM in einem Distrikt mit bestehender Bergbauinfrastruktur und qualifizierten Arbeitskräften.  

Ein Verarbeitungszentrum statt bloß Rohstoffexport 

Noch interessanter ist, dass St George inzwischen eine ähnliche Richtung einschlägt wie Brasiliens nationale Rohstoffstrategie. 

Ende August unterzeichnete das Unternehmen mit dem Bundesstaat Minas Gerais und der brasilianischen Lima & Pergher Group ein Protocol of Intent. Gemeinsam soll die mögliche Errichtung eines Minas Gerais Rare Earths Processing Centre geprüft werden. 

Das geplante Zentrum soll verschiedene Seltene-Erden-Ausgangsmaterialien aus Minas Gerais verarbeiten können – darunter Konzentrate, Mixed Rare Earth Carbonate und Oxalate – und daraus Materialien für die Magnetherstellung produzieren. St George soll technisches Know-how einbringen und könnte künftig Material aus Araxá zur Verarbeitung bereitstellen.  

Der Bundesstaat wiederum will die Initiative unter anderem bei Genehmigungsverfahren, Lieferantenkontakten und Anträgen auf staatliche Steueranreize unterstützen.  

Damit geht die Idee deutlich über eine einzelne Mine hinaus: Das erklärte Ziel ist eine brasilianische Mine-to-Magnet-Lieferkette. 

Brasilien besitzt bereits den nächsten Baustein 

Dazu passt das MagBras-Projekt, das Brasiliens erste Anlage zur Herstellung von Seltenerdmagneten aufbauen soll. 

Nach Angaben von St George war das Unternehmen der erste Seltene-Erden-Entwickler, der Material für metallurgische Tests an MagBras lieferte. Das geplante Processing Centre könnte künftig Material für MagBras und andere nachgelagerte Abnehmer bereitstellen.  

Auch der geplante Standort des Processing Centre ist bemerkenswert. Lima & Pergher betreibt in Uberlândia bereits einen Industriekomplex von mehr als 500.000 Quadratmetern. Laut St George stehen dort unter anderem Straßen, Stromversorgung, Abfallmanagement, chemische Infrastruktur und qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung.  

Ein möglicher Betriebsbeginn wird für 2030 angestrebt. Das Projekt steht allerdings noch unter dem Vorbehalt einer endgültigen Investitionsentscheidung und der erforderlichen Genehmigungen. 

Araxá bewegt sich gleichzeitig Richtung Entwicklung 

Während Brasilien seine Rohstoffstrategie vorantreibt, arbeitet St George an den technischen Voraussetzungen für Araxá. 

Ende August begann formal das Umweltgenehmigungsverfahren für eine potenzielle Mine und einen Industriekomplex. Eingereicht wurden EIA und RIMA bei der Umweltbehörde von Minas Gerais. Parallel läuft die von Worley geleitete Machbarkeitsstudie.  

Anfang September folgte die nächste Entwicklungsstufe. Bei CIT-SENAI in Belo Horizonte läuft ein Pilotprogramm mit rund neun Tonnen oberflächennahem Araxá-Material. Durch Zerkleinerung, magnetische Separation und Flotation sollen ein Niobkonzentrat und ein mit Seltenen Erden angereicherter Materialstrom hergestellt werden. Ergebnisse werden im vierten Quartal erwartet.  

Das Fließschema auf Seite 4 der Unternehmensmitteilung macht die Strategie anschaulich: Aus demselben Ausgangsmaterial sollen Niob und Seltene Erden in getrennte Produktströme überführt und anschließend weiterverarbeitet werden.  

Viridis könnte zum wichtigen Präzedenzfall werden 

Hier liegt die eigentliche Bedeutung der aktuellen Viridis-Nachricht für St George. 

St George erhält nicht die 77,5 Millionen Real von BNDES. Auch aus dem 5-Milliarden-Real-Programm lässt sich keine zukünftige Finanzierung für Araxá ableiten. 

Viridis liefert jedoch einen konkreten Beleg dafür, dass Brasilien bereit ist, staatliche Finanzierung für Seltene-Erden-Projekte und insbesondere deren Verarbeitung bereitzustellen. 

Sollte Colossus erfolgreich finanziert und entwickelt werden, könnte dies zeigen, wie Brasilien aus seinen Rohstoffvorkommen eine neue Industrie aufbauen will. Araxá befindet sich geografisch und strategisch mitten in dieser Entwicklung. 

Fazit 

Brasiliens Vorteil im Rennen um Seltene Erden liegt nicht allein im Boden. Entscheidend könnte werden, dass Regierung, Entwicklungsbanken und Industrie zunehmend versuchen, Bergbau, Verarbeitung und nachgelagerte Produktion im eigenen Land zu verbinden. Die BNDES-Finanzierung für Viridis ist dafür ein konkretes Signal – aber keine direkte Förderung von St George. 

St George befindet sich dennoch in einer interessanten Position. Araxá kombiniert eine 111,2-Millionen-Tonnen-Ressource für Seltene Erden und Niob mit der Lage in Minas Gerais, laufenden Pilotversuchen, einem gestarteten Genehmigungsverfahren und der Prüfung eines regionalen Processing Centre. Das Unternehmen ist jedoch weiterhin ein Entwickler: Metallurgie und Machbarkeitsstudie müssen überzeugen, Genehmigungen müssen erteilt und eine Finanzierung gefunden werden. 

Für Anleger werden deshalb die Pilotresultate im vierten Quartal und die Fortschritte bei Genehmigung und Verarbeitung entscheidend. 

Wenn Brasilien tatsächlich vom Rohstoffexporteur zur Mine-to-Magnet-Nation aufsteigen will, könnte Araxá genau in dem Distrikt liegen, in dem dieser Wandel zuerst sichtbar wird. 


Quellen

https://www.mining.com/web/brazil-funds-rare-earth-project-in-effort-to-tap-vast-reserves/
https://www.globaltimes.cn/page/202606/1364474.shtml

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ISIN: AU000000SGQ8
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