123rf.com_Neurothera Labs 172440253_ KI generiert

Die Alzheimer-Forschung erlebt einen Wendepunkt. Neue Medikamente sollen den kognitiven Abbau im frühen Krankheitsstadium verlangsamen, während andere Therapien eines der belastendsten Begleitsymptome adressieren: Agitation. Die beiden Aufgaben verlangen unterschiedliche Wirkstoffe, Studienziele und Behandlungsstrategien. 

Für NeuroThera Labs Inc. (ISIN: CA64136J1012) eröffnet diese Aufteilung einen eigenständigen Entwicklungskorridor. Das Unternehmen versucht nicht, Amyloidablagerungen zu beseitigen, sondern untersucht SCI-110 als mögliche Behandlung von Unruhe und agitiertem Verhalten bei Alzheimer-Patienten. 

Ein Problem, das weit über Gedächtnisverlust hinausgeht 

Agitation kann sich durch starke Unruhe, wiederholte Bewegungen, verbale Ausbrüche oder aggressives Verhalten äußern. Für Angehörige und Pflegekräfte gehören diese Symptome zu den schwierigsten Aspekten der Erkrankung, weil sie die Betreuung erschweren und eine Unterbringung in Pflegeeinrichtungen beschleunigen können. 

Klassische Alzheimer-Medikamente lösen dieses Problem nicht automatisch. Selbst wenn ein Wirkstoff den Krankheitsverlauf verlangsamt, kann weiterhin eine zusätzliche Therapie für Verhaltenssymptome erforderlich sein. Dadurch entsteht innerhalb desselben Krankheitsbildes ein Markt für sehr unterschiedliche pharmazeutische Ansätze. 

Eli Lilly greift früh in den Krankheitsverlauf ein 

Eli Lilly and Company (ISIN: US5324571083) steht für die neue Generation krankheitsmodifizierender Alzheimer-Therapien. Die FDA genehmigte Kisunla mit dem Wirkstoff Donanemab im Juli 2024 für Erwachsene mit früher symptomatischer Alzheimer-Erkrankung und bestätigter Amyloidpathologie. 

Donanemab ist ein Antikörper, der auf Amyloidplaques im Gehirn zielt. In der zulassungsrelevanten Studie verlangsamte das Medikament den kognitiven und funktionellen Abbau gegenüber Placebo, konnte die Erkrankung jedoch weder stoppen noch verlorene Fähigkeiten wiederherstellen. Zudem erfordert das Risiko von Hirnschwellungen und kleineren Blutungen eine sorgfältige Auswahl und Überwachung der Patienten. Lilly adressiert damit die biologische Krankheitsentwicklung in einem frühen Stadium, nicht die akute Behandlung späterer Verhaltenssymptome. 

Otsuka machte Alzheimer-Agitation zu einer eigenen Indikation 

Otsuka Holdings Co., Ltd. (ISIN: JP3188220002) verfolgt mit Rexulti eine andere Strategie. Das gemeinsam mit H. Lundbeck A/S (ISIN: DK0061804770) entwickelte Brexpiprazol erhielt 2023 als erstes Medikament in den USA eine eigene Zulassung zur Behandlung von Agitation im Zusammenhang mit einer Alzheimer-Demenz. 

Die Zulassung beruhte auf Studien, in denen Brexpiprazol die Agitationswerte gegenüber Placebo stärker verringerte. Gleichzeitig trägt das Medikament den für Antipsychotika vorgeschriebenen Warnhinweis zum erhöhten Sterberisiko älterer Patienten mit demenzbedingter Psychose. Rexulti zeigt deshalb sowohl den Bedarf als auch das schwierige Nutzen-Risiko-Verhältnis in dieser Indikation. Otsuka hat einen pharmazeutischen Markt geöffnet, in dem neue Kandidaten eine überzeugende Wirksamkeit mit einer vertretbaren Verträglichkeit verbinden müssen. 

NeuroThera untersucht eine THC-PEA-Kombination 

SCI-110 kombiniert Dronabinol, eine synthetische Form von THC, mit Palmitoylethanolamid, kurz PEA. NeuroThera untersucht damit einen anderen Wirkmechanismus als Lilly und Otsuka. Während Donanemab auf Amyloidplaques zielt und Brexpiprazol verschiedene Dopamin- und Serotoninrezeptoren beeinflusst, setzt SCI-110 am Endocannabinoid-System und ergänzenden biologischen Signalwegen an. 

In einer offenen Phase-IIa-Studie wurde SCI-110 bei Alzheimer-Patienten mit Agitation untersucht. Die aktuelle Unternehmenspräsentation nennt 20 behandelte Patienten und berichtet, dass 75 Prozent keine zusätzliche Bedarfsmedikation zur Kontrolle der Agitation benötigten. Bei ebenfalls 75 Prozent sei eine Steigerung des Appetits beobachtet worden, was bei älteren und körperlich geschwächten Patienten ein relevanter zusätzlicher Aspekt sein kann. 

Diese Ergebnisse liefern ein klinisches Signal, bleiben aber wegen der kleinen Patientengruppe und des fehlenden Placeboarms vorläufig. Ohne Kontrollgruppe lässt sich nicht sicher trennen, welcher Teil der beobachteten Veränderung auf SCI-110, den natürlichen Symptomverlauf oder andere Einflüsse zurückzuführen war. 

Die nächste Studie muss den Unterschied zeigen 

Die Entwicklungen von Lilly und Otsuka verdeutlichen, wie hoch die Messlatte inzwischen liegt. Ein Alzheimer-Kandidat benötigt klar definierte Patienten, nachvollziehbare Endpunkte und Daten, die einen klinisch relevanten Vorteil gegenüber Placebo zeigen. Bei älteren Patienten erhält außerdem die Verträglichkeit besonderes Gewicht. 

NeuroThera befindet sich bei Alzheimer-Agitation deutlich früher in der Entwicklung als seine großen Vergleichsunternehmen. SCI-110 ist weder zugelassen noch durch eine kontrollierte Alzheimer-Studie bestätigt. Gerade darin liegt die entscheidende Frage der weiteren Entwicklung: Kann die Kombination das frühe Signal reproduzieren und dabei ein überzeugendes Sicherheitsprofil liefern? 

Lilly bearbeitet den Krankheitsverlauf, Otsuka die bereits ausgebrochene Agitation. NeuroThera positioniert SCI-110 auf derselben symptomatischen Front wie Otsuka, wählt dafür aber einen grundlegend anderen pharmakologischen Weg. Ob dieser Weg trägt, können erst größere und kontrollierte klinische Daten zeigen.  


Quellen

https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-approves-treatment-adults-alzheimers-disease
https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-approves-first-drug-treatment-agitation-associated-dementia-due-alzheimers-disease
https://clinicaltrials.gov/study/NCT05239390

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Neurothera Labs Inc
Land: kanadisch
ISIN: CA64136J1012
Neurothera Labs Inc

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